{"id":84,"date":"2010-12-09T15:43:18","date_gmt":"2010-12-09T14:43:18","guid":{"rendered":"https:\/\/artemys.de\/kunstgeschichten\/?p=84"},"modified":"2022-11-24T20:47:42","modified_gmt":"2022-11-24T19:47:42","slug":"wintertraum-eine-fiktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/artemys.de\/kunstgeschichten\/wintertraum-eine-fiktion\/","title":{"rendered":"Wintertraum (eine Fiktion)"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_75\" style=\"width: 274px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75\" class=\" wp-image-75\" src=\"https:\/\/artemys.de\/kunstgeschichten\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Weihnachtsfenster-300x223.jpg\" alt=\"Illustration nach einem Fensterbild\" width=\"264\" height=\"199\" \/><p id=\"caption-attachment-75\" class=\"wp-caption-text\">Illustration nach einem Fensterbild<\/p><\/div>\n<p>Die T\u00fcr \u00f6ffnet sich und ich trete hinaus. Hinaus in den herrlich wei\u00dfen Schnee, der bei jedem meiner Schritte leise knirscht. <!--more-->Kleine wei\u00dfe Atemw\u00f6lkchen signalisieren mir die kalte Luft. An der kleinen Kapelle, die mir schon vorher bei meinem Blick aus dem Fenster aufgefallen war, stapfe ich vorbei. Sie sieht wirklich haargenau so aus wie auf dem Fensterbild, dass meine Gro\u00dfmutter immer zur Adventszeit ins Fenster gehangen hatte. Das warme Licht, das aus ihren Fenstern scheint, l\u00e4sst die Schneekristalle, die meine F\u00fc\u00dfe aufwirbeln, wie goldener Sternenstaub glitzern. Leise klingen Orgelt\u00f6ne an mein Ohr und verhaltene Stimmen singen eine Weihnachtsmelodie, die mir bekannt ist.<\/p>\n<p>Langsam n\u00e4here ich mich dem Waldrand <em>(eigentlich m\u00fcsste es k\u00e4lter sein)<\/em> und tauche zwischen die hohen B\u00e4ume ein. Der Wald ist so gar nicht dunkel und unheimlich wie ich erwartet hatte. Der reflektierende Schnee taucht ihn in ein schimmerndes, diffuses Licht. Auch stehen die B\u00e4ume nicht besonders dicht. Man m\u00fcsste hier eigentlich Langlauf machen k\u00f6nnen. <em>(Wird das \u00fcberhaupt angeboten?)<\/em> Der Wald ist j\u00e4h zu Ende und macht einem gro\u00dfen schneebedeckten Feld Platz. Ich schaue nach oben und sehe einen Sternenhimmel wie ich ihn mein Lebtag noch nicht gesehen habe. Sind da drau\u00dfen wirklich so viele Sterne? W\u00e4hrend ich hinauf in den klaren Sternenhimmel schaue f\u00e4llt mir ein altes Weihnachtslied ein, das ich in meiner Kindheit sehr geliebt habe:<\/p>\n<p>\u201eEs ist f\u00fcr uns eine Zeit angekommen, die bringt uns eine gro\u00dfe Freud. &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Ein sanfter Abhang neigt sich einem verschneiten Seeufer zu. Ich gehe hinunter zum See. Er ist zugefroren und ich kann im Mondlicht verschiedene Tierspuren auf der verschneiten Eisfl\u00e4che erkennen. Die B\u00fcsche, die rechts und links von mir aufragen, tragen auf ihren \u00c4sten kleine Schneehauben. Sie wirken bizarr und irgendwie unheimlich. Leises Glockenl\u00e4uten mischt sich zwischen das Knistern des Schnees und des Eises.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seeseite erkenne ich die Lichter einer vertr\u00e4umten Ortschaft und zwischen ihr und dem Seeufer ist tats\u00e4chlich ein kleiner Weihnachtsmarkt zu sehen. Ich nehme einen Duft wie von frisch gebackenen Waffeln war.<em> (Kann das \u00fcberhaupt sein, dass der bis hierhin wahrnehmbar ist?)<\/em> Ich wende mich nach links um den See zu umrunden, muss dann aber feststellen, dass der See in ein Fl\u00fcsschen \u00fcbergeht das ich nicht \u00fcberqueren kann. (Was w\u00fcrde wohl passieren wenn ich einfach durch das Wasser gehe?) Von der anderen Seite h\u00f6re ich Vogelgezwitscher<em> (Vogelgezwitscher im Dunkeln, im Winter? Etwas unpassend.)<\/em> &#8230;<\/p>\n<p>Ping &#8230;, das Ger\u00e4usch l\u00e4sst mich zusammenzucken und die schnarrende Stimme die folgt ist unangenehm: \u201eSehr verehrter Kunde! Ihr gebuchtes Zeitfenster ist nun leider beendet. Sollten Sie eine Verl\u00e4ngerung w\u00fcnschen so dr\u00fccken Sie bitte die eins, wenn Sie Ihre Reise beenden wollen die zwei und &#8230;\u201c, ich dr\u00fccke die zwei. \u201eVielen Dank f\u00fcr Ihren Besuch und beehren Sie uns &#8230;\u201c Den Rest h\u00f6re ich nicht mehr, da ich bereits den Helm abgenommen habe und dabei bin die Lauffl\u00e4che zu verlassen. Nachdem ich Helm, Handschuhe und Stiefel an der Rezeption abgegeben habe und das Fensterbild meiner Oma wieder in Empfang genommen habe, mache ich mich auf den Heimweg. Vorbei an den bunten Werbetafeln der Reiseagentur, die mit ihren Tr\u00e4umen locken \u201eErleben Sie IHREN Wintertraum\u201c oder \u201eKaribische Gef\u00fchle &#8211; lassen Sie den Alltag einfach hinter sich\u201c. Es wird Zeit, dass ich nach Hause komme. In den n\u00e4chsten Stunden soll der Sturm, der mich drau\u00dfen empf\u00e4ngt, eine St\u00e4rke von \u00fcber 180 km\/h erreichen, der vierte dieser Kategorie seit Oktober.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die T\u00fcr \u00f6ffnet sich und ich trete hinaus. 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